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Logbuch #2 [de]

by Global Mobil Station

Sabato 2 giugno 2007
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Donnerstag 31. Mai 2007

Impressionen, Geschichten und Analysen: eine Reise durch Deutschland, in Aufruhr gegen den G8-Gipfel

Berlin, 29/30 Mai 2007

Für eine umfassende Organisation und insbesondere die „psychophysischee“ Vorbereitung der AktivistInnen spielen auch dieses mal, wie bei allen großen Mobilisierungen gegen Gipfel globaler Machthaber, die Convergence Centres eine wesentliche Rolle.
Dies sind jene Strukturen, die AktivistInnen aus aller Welt aufnhemen und einfache, aber für ein gutes Gelingen der Gegenaktionen unabdingbare Dienste leisten. Gemeint ist dabei etwa das Benutzen-Können von Kommunikationsmitteln, die Möglichkeit ein warmes Essen zu sich zu nehmen, ewarm duschen zu können, Hilfe bei der Suche nach Orten zum Ausruhen oder allen anderen notwendigen Informationen (Rechtshilfe, Landkarten, Orte und Zeitpläne der Kundgebungen, „Aktions“pläne, usw.) in derart chaotischen Umgebungen, wie es eben Demonstrationen gegen den G8-Gipfel sind, zu erhalten. Nicht zuletzt sind dies Orte an denen Leute sich kennen lernen, Beziehungen knüpfen, Freundschaften schließen und vielleicht Banden bilden, die zusammen das tun was richtig ist...
In Deutschland gibt es neben dem Convergence Centre in Rostock, errichtet in einer alten Schule eines ArbeiterInnenviertels, eines in Hamburg – das autonome Zentrum „Rote Flora“ -, während es in Berlin sogar deren drei gibt, die allesamt in Kreuzberg gelegen sind: das New Yorck 59 im Bethanien, das Köpi und das Clash. Das New Yorck 59 befindet sich in einem, vor rund zwei Jahren besetzten Haus, dem Bethanien, direkt am Mariannenplatz, dem Startpunkt der revolutionären Maidemos, die seit 20 Jahren ein Charakteristikum des politischen Lebens der autonomen und radikalen Linken Berlins sind.
Das Bethanien ist ein wunderbarer Ort, nicht nur weil er mit einem Park und einer einzigartigen Architektur ausgestattet ist, sondern vor allem auch, da die BesetzerInnen es geschafft haben, eine komplexe aber in ihrer Informalität doch lebendige Realtität zu erschaffen; im Erdgeschoss befindet sich ein selbstverwalteter multiethnischer Kindergarten, der erste Stock ist dem Zusammenleben gewidmet: es wohnen dort etwa dreißig Menschen, darunter einige wunderschöne Kinder. Im gleichen Gebäude gibt es über dies noch ein Sozialzentrum für ältere Menschen des Viertels sowie Räume diverser Basisgstruktuken der Umgebung.
Das ganze Jahr über beherbergt das Bethanien Gäste; es kann passieren, dass einem/einer dort GenossInnen aus verschiedenen Sozialzentren Europas, aber auch AktivistInnen aus Südamerika, den Vereinigten Staaten, Russland oder sonstwoher über den Weg laufen; oder, einfacher gesagt, kuriose Menschen mit einem offenen Blick auf die Welt und einer guten Brise Wut.
Das Köpi dagegen ist geradezu ein Tempel des politischen Punks Europas; ein „total underground“ voller Charme, wohin es auch nett sein kann zu gehen, wenn mal keine Konzerte statt finden. Auf ein paar Bier mit Freunden und zum Planen der Kämpfe, womöglich unter dem Schwarzen Banner, das vom zentralen Fenster hängt und zum Widerstand einlädt: das Kopi ist von einer Räumung bedroht, nachdem es, wie auch das Ungdomshuset in Kopenhagen, an Spekulanten verkauft wurde, die womöglich schon davon träumen, das x-te langweilige und öde Einkaufszentrum daraus zu machen. Für den 12. Juni ruft das Köpi alle autonomen Zentren zu Solidarität und Widerstand in deren lokalen Umgebungen auf, während für den 16. eine internationale Demonstration in Berlin geplant ist.
Das Lokal Clash schließlich ist in einen Komplex eingelagert, in dem zahlreiche linke Gruppen ihre Räume haben. Es befindet sich genau an der Straße, wo – wie jedes Jahr in diesen Tagen – ein großer Karnevalsumzug, mit Wägen und musikalischen Darbietungen diverser Migrantinnen-Gruppen aus aller Welt vorbeizieht.
Die Metropole bekommt ein ganz anderes Gesicht, wenn sie von diesen Winkeln aus betrachtet wird; es ist, als ob sie aus sich entschlüpfen würde und sich in viele Zellen, Kommunen, Kollektive, Apparate verwandelte, die in und auf ihr agieren, entsprechend dem schrägen Terrain existenzieller Subversion. Wilde Zirkel, umstürzlerische Kommunen, Kollektive ohne Identität, Apparate des Partisanenkampfs, Straßengruppen und Gangs der Gedanken konstituiren eine Verkettung von Ausrufen, die, zusammen einen Refrain bildend, ihre Territorien erschaffen.
In diesen Tagen können sie in verschiedener Form vernommen werden: affektiv, begehrend, politisch. Oder, zuweilen, als all das zusammen.
Aber sicher am häufigsten wiederholt wird das „Smash G8“...und Territorien des Widerstands sind in dem Moment da.
Squat the world and stay free!

International Brigades, Italian Section

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